Ist der Streit um die Organspende beigelegt?
Kommentar von Dr. Maria Overdick-Gulden zur Organspendedebatte, 06.07.2011
Erfreulich ist, dass die viel diskutierte und stark umstrittene „Widerspruchslöung“, bei der jeder als Organspender nach dem Eintritt seines Hirntodes prinzipiell als Spender in Frage komme, falls er sich während seines bisherigen Lebens nicht eindeutig dagegen ausgesprochen hat, von den Gesundheitsministern nach zweitägiger Konferenz am 30.6.2011 mit Mehrheit abgelehnt wurde. Die zentrale Begründung hierfür leuchtet dem freien Bürger ein: „Organspenden sind eine höchstpersönliche Angelegenheit. Sie betreffen die menschliche Würde, die auch nach dem Tod zu achten ist. Deshalb darf es keinen staatlichen Zwang geben“, so Volker Kauder.
Man sprach sich für die „Entscheidungslösung“ aus: „Jeder Bürger, jede Bürgerin“, so Malu Dreyer, soll „wenigstens einmal im Leben bewusst mit der Frage“ nach seiner Bereitschaft, Organe unter der Diagnose seines Hirntods zu spenden, konfrontiert werden.
Auch wenn man in der deutschen Bevölkerung diese Lösung - zum Zweck eines erhöhten Organaufkommens – derzeit mehrheitlich favorisiert, bleibt praktisch zu bedenken, dass der Wunsch nach einer späteren Korrektur der einmal getroffenen persönlichen Entscheidung auf umständliche Verfahren stoßen wird.
Ist die Debatte um den Hirntod damit abgeschlossen – oder doch noch „ergebnisoffen“?
Zu Recht wies der Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer darauf hin, dass international erhebliche Zweifel an der These bestehen, der Hirntod sei der Ganztod der Person. Der Hirntod kann künftig vermutlich immer sicherer als derzeit üblich diagnostiziert werden. Doch seine Gleichsetzung mit dem natürlichen Tod des Menschen ist kein nur medizinisches, sondern ein gesamtwissenschaftliches Problem, zu der Philosophen, Psychologen, Soziologen und Theologen Grundsätzliches zu sagen haben. Die eigentliche Frage ist ungelöst. So wird ein Hirntoter bislang nicht zur Bestattung freigegeben (A. Graf von Wengersky) ! Er wird als Versterbender wahrgenommen. Doch darüber will man offensichtlich keine Diskussion (s. Professor Dr. med. Günter Kirste in SWR Forum v. 4.7.2011).
Vermutlich ist die Zurückhaltung vieler Menschen bei dem Thema Organspende auf diese ungelöste, aber wesentliche Frage zurückzuführen: „Was dürfen wir mit dem Hirntoten tun, obwohl er noch nicht tot ist?“ (Prof. Ralf Stoecker).
nach oben
|