Literatur

Rezensionen

Edith Bredura, Verheissungen der neuesten Biotechnologien, Stein a. Rhein 2010, 160 S.

Verheissungen

Frisch, gelegentlich salopp, weniger systematisch als motivierend führt die in verschiedenen Bereichen der Bioforschung erfahrene und derzeit in Madison, der Metropole der Stammzellenforschung tätige Autorin Edith Breburda den Leser in die Problematik von Züchten, Klonen, Selektion bis zu geplanten Transgenic Pets ein. Die ersten Kapitel des Buchs reflektieren Entwicklungen und Fehlsteuerungen im Bereich der genetischen "Aufbesserung" von Mais, Baumwolle und Nutztieren. Hat Genraps letztlich nicht das Bienensterben verursacht und erhoffte Mehrerträge vermissen lassen? Müssen nach dem Auftreten der durch Tiermehlverfütterung verursachten BSE- Seuche und der durch Prionen ausgelösten Parallelerkrankung am Menschen, der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, nicht Fragen nach dem definitiven Nutzwert von Bioexperimenten aufkommen? Ist versprochener Nutzen nicht rein ökonomisch schon gegen schädliche Nebenwirkungen, die Kosten zur Schadensbegrenzung eingeschlossen, abzuwägen? Nicht selten unterbleiben Toxizitätsstudien vor Einführung genmanipulierter Organismen im Pflanzen- und Tierbereich. In der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung von "Kulturrevolutionen" überwiege der "gute Zweck", das erlege auch Ver-Schweigegebote auf. Gilt hier Goethes Faust: "Allein der Vortrag macht des Redners Glück"? Dass tierische Zuchtmanagements durch Embryotransfer (Klonen) mit Genmanipulation letztlich in Inzucht enden können; Bt-Toxine des Genmais und -reis die Resistenz von Insekten fördern; biotechnische Produkte als Gifte in Böden, Wasser eindringen und beim Menschen Allergien und Sterilität (u. a.) verursachen, sollte doch zur Frage führen: Was wissen wir eigentlich vom Genom, Epigenom, von Natur, Leben, vom Menschen? Lässt uns freies Forschen und Kreieren, das auf Ruhm und Gewinn setzt, nicht oft als Verlierer zurück?

Welche Rolle spielt die Moral bei "kreativer Forschung"? Dieser Frage kommt besondere Relevanz am Beispiel der öffentlich so horrent geförderten raffiniert-riskanten Forschung an und mit embryonalen Stammzellen zu. Sind sie das versprochene "Gold der Medizin"? Warum aber wurde mit ihnen nach 20 Jahren kein einziges Behandlungsverfahren entwickelt, geschweige denn ein einsatzfähiges? Letztlich will sich die "Ethik des Heilens" doch zum rechtfertigenden Argument für tötende Eingriffe an einer unüberschaubaren Zahl von Menschenembryonen gerieren! Nach deren Lebensrecht keiner fragt! Dabei werden Eizellspenden unter Inkaufnahme belastender Hormonbehandlung von Frauen, Eizellen-Tauschbörsen, die Erzeugung von Mensch-Tierwesen, die Lagerung von Millionen sog. überzähliger "Nitrogen-Kinder", die kostspielige Entwicklung von und Versuche mit iPS-Zellen (rückprogrammierte adulte Stammzellen) gemanagt. Wo verbleibt der Heilerfolg so verwirklichter Freiheit im Zeichen der "Verheißung"?

Indes vollbringen adulte Stammzellen - in der Praxis bereits langjährig und vielfältig therapeutisch bewährt - längst das, was Forscher erst "herausfinden" möchten (Lord Alton 2008). Wäre es nicht im übergreifenden Sinn kostengünstiger, Forschung mit Zellen zu betreiben, die schon die Differenzierungseigenschaft zu 220 Zellarten besitzen und das von Natur aus mitbringen, was man im ärztlichen Tun braucht?

Oder geht es doch mehr um Anspruchsdenken, Wunschbedienung mit Designer Babies, um erträumte Ziele, um preiswerten Erfolg? Bestätigt sich gar William Faulkners Einsicht: "Vieles wäre völlig uninteressant, wenn es nicht verboten wäre" - so auch am Baum des Lebens? Dieser Frage hatte sich das Buch Genesis bereits gestellt. Lesenswert.

Dr. Maria Overdick-Gulden

Veröffentlicht in: LebensForum Nr. 95 - 3/2010

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