Rezensionen
Alexandra Maria Linder, Lebensrecht - Abtreibung, Euthanasie, PID, Stammzellforschung..., MM-Verlag, Aachen 2011, 166 S.
Erforderlicher Klartext
In britischen Labors wurden binnen drei Jahren 150 Mensch-Tier-Embryonen erzeugt - ermöglicht durch den seit 2008 rechtskräftigen "Human Fertilisation and Embryologie Act". Ethisch begründet wurde die Gemischtwaren-Reproduktion unter dem Vorwand, sie diene der "Therapie bisher unheilbarer Krankheiten"! Mit ähnlich emotionaler Erpressung wurde hierzulande auch die PID durch das Parlament durchgesetzt. Wieder ging es um mitleidmotivierte Hilfe, diesmal mittels Selektion genetisch defekt vermuteter Menschenembryonen und nur in "Extremfällen besonders belasteter Familien"! Man wolle es dem strengen PID-Gesetz in Frankreich gleich tun. Doch wurde dort bereits ein "Rettungskind" selektiert, dessen ungeeignet deklarierten gesunden Embryonengeschwister sind "entsorgt"!
Alexandra Maria Linder setzt sich in einem neuen Band der Reihe "Klartext und Klischees" des MM Verlags mit solch gesetzlichen ‚Erweiterungen' sog. strenger juristischer Vorgaben auseinander, denen halb- oder vollbewusst gesteuerte Irreführungen in Fragen des Lebensrechts und der zu respektierenden Menschenwürde zugrunde liegen. Menschen verstehen sich seit eh und je auf gefällige Werbung und werden wiederum selbst leicht zu Opfern von "Klischees". Scheinbar eingängige, oft unhinterfragt eingefahrene Vorstellungen werden verharmlosend aufgenommen und für ein angesteuertes Ziel eingesetzt. In Forschung und Biopolitik führt dieser Weg nicht selten zur Schein-Rechtfertigung ethisch brisanter Handlungsmuster und zur ‚Enthumanisierung' der Stimmlosen. Unter Vorgabe einer Heilungsabsicht wird so bislang menschenrechtlich Undenkbares - das Töten Unschuldiger - ‚gut' geheißen oder faktisch durchgesetzt.
Die Autorin spricht Klartext in Bezug auf viele aktuelle Themen und deren Entstellungen, u. a. wenn der Entwicklungshilfe ein angebliches Frauenrecht auf Abtreibung unter dem bemäntelnden Klischee des "Selbstbestimmungsrechts" subsumiert wird. Strategisch wird das Kind und sein Lebensrecht ignoriert, inhuman kleingeredet zum "Schwangerschaftsklumpen" oder zur "Frucht" im Bauch, der nur "mir gehört". Schwangerschaft gerät zur Krankheit, der "Zellhaufen" zum Parasiten, und Abtreibung zur "Problemlösung". Es ist paradox: einerseits zeigt sich die Kultur des Todes erfinderisch in ihren Wortschöpfungen und Behauptungen neuer "Menschenrechte". Andererseits fordern ihre Verfechter ein Recht auf das eigene Kind mittels IVF und auf ein gesundes mittels tödlicher Selektion ein. Psychologische Folgen bleiben unbedacht: Was wird aus dem Eltern-Kindverhältnis, der Wurzel zwischenmenschlichen Vertrauens, wenn das "elektierte" Kind erfährt, dass es das "einzig Auserlesene" von abgetriebenen oder vielen "selektierten" Geschwistern ist? Hat es (nur) "Glück gehabt", dass es "zumutbar" erschien? Der Tod, fast nur noch im Krimi wahrgenommen, soll bei strapazierend-lästiger Krankheit als Erlösungsmaßnahme aktiv besorgt werden!
Dass Lebensrechtsorganisationen mit konsequenter Moral zu Todfeinden einer liberalistischen "Wir sind so frei"-Maxime geraten, indem sie falsche Argumente entlarven, liegt auf der Hand. Statt gefährliche Dauerbelastungen mit angeblich nur "verhütenden" Hormonen einschließlich der hoch dosierten "Pille danach" für Frauen zu propagieren, empfehlen Lebensrechtler medizinethischer Einsicht folgend die "natürliche Empfängnisregelung"! Warum nur sind manche "Grüne", die den grünen Schal für Selbstbestimmung und Natur tragen, davon nicht zu überzeugen? Wird ‚PAS' als Folge der Abtreibung nur "eingeredet"? Ist das Hirntodkonzept als Voraussetzung für "Organspende" solide? "Klartext" sei allen empfohlen, die sich gegen die Unkultur des Tötens engagieren und mittels sachlicher Argumente verbreiteten Klischees entgegnen wollen.
Dr. med. Maria Overdick-Gulden
Veröffentlicht in: LebensForum Nr. 99 - 3/2011
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