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Rezensionen

Doris Stommel-Hesseler, In mir ist Freude, Doris Verlag, 2005, ISBN 3-00-013569-3 (e-mail: DoSto-He@t-online.de) Euro 9,90

Trotzdem ein Lächeln!

In ihrem anregenden Buch „In mir ist Freude“ gelingt es Doris Stommel-Hesseler, nachhaltige Begegnungen zu stiften, beispielsweise mit der Combo, einer Band, in der Menschen mit geistiger Behinderung aus purer Lebensfreude Musik machen und ihre Freude weitergeben. Das Anliegen der Autorin reicht allerdings tiefer. Sie schreibt aus der Erfahrung mit ihrem mittlerweile 25 Jahre alten Sohn, der nach einem Kaiserschnitt mit seinen Drillingsbrüdern Kai und Sven auf die Welt kam, dann allein überlebte – schwerbehindert und spastisch gelähmt. Was galt es alles zu bewältigen im Laufe der Jahre: ärztliche Kontrollen, Operationen, Krankengymnastik nach unterschiedlichen Modellen, Sprachtherapie, Anschaffung von Rollstuhl, Lifter, Pflegebett etc.! Doch Björn wird groß, fährt mit Eltern und Schwester in Urlaub, und das mütterliche Resümee lautet: „lieber Björn, ich freue mich auf noch viele schöne, gemeinsame Jahre mit dir“. Wie viel die Unterstützung durch Familie, die Schwester und Freunde zu solch geglücktem Leben beiträgt, wird dankbar wahrgenommen.

Dass trotz anfänglich übermächtig erscheinender Sorgen, ja Trauer und Verzweiflung nach gestellter positiver Pränataldiagnose, einer Rötelninfektion, bei einem Geburtstrauma, einer zunächst unklaren aber augenfälligen Wachstumsstörung und der gefürchteten Diagnose „Down-Kind“, auch schwerbehindertes Leben gelingt, zeigen die von der Autorin veranlassten und gesammelten über 40 eindrucksvollen Berichte von betroffenen Menschen und ihren je eigenen Bewältigungsstrategien. Jedes Schicksal ist einmalig, das des Kindes und das seiner Familie. Die gemeinsame durch Leid und Anforderung, durch Bewährung in Anspannung und Geduld letztlich gewonnene Zuneigung und Liebe führen in eine Lebensperspektive, die sich so vertrauensvoll wohl auch nicht häufiger bei „nichtbehinderten“ Familien ergibt. Die immer wieder neuen Erfahrungen nach Zwischenfällen, gehäuften Infekten, bei erforderlichen Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen, in der Begegnung mit nicht immer verständnisvollen, der momentanen psychischen Not wenig aufgeschlossenen Ärzten lassen ein familiäres Miteinander entstehen, das durch „dick und dünn“ geht. Einer trägt des andern Last, zumindest versucht er es. Natürlich kann es auch hier wie überall im Menschenleben ein Scheitern geben. Aber es ergibt sich nichts Außergewöhnliches – auch wenn man „die Norm“ schon einmal „auf den Kopf stellen muss“. Von großer praktischer Bedeutung sind die inzwischen weit gefächerten Selbsthilfegruppen, der dortige Erfahrungsaustausch und die gemeinsamen Unternehmen (u. a. in Sport-, Mal- und Theatergruppen, bei Gruppen-Ausflügen und -Reisen).

Durchweg zeigen alle Lebensberichte, auch die besonders dramatischen: „Das Leben mit einem behinderten Kind entwickelt sich nicht zwangsläufig zu einer Leidensgeschichte.“ Im Gegenteil: das Leben wird intensiv. Aus der anfänglichen (auch an Gott gerichteten) Frage: „Was soll ich nur mit so einem Kind?“ wird: „wir stehen zu ihm und seiner Behinderung. Ich bin stolz darauf, seine Mutter zu sein.“ (S. 268) Oder wie es von dem 22 Jahre alten Andre heißt: Mut und seine „starke Liebe... geben unserer Familie Kraft, so weiterzumachen wie bisher. Wir sind stolz auf diesen jungen Mann“.

Das vorgelegte Buch ermutigt zur Annahme schicksalhafter Herausforderungen. Es richtet sich nicht nur an werdende Eltern, sondern auch an Ärzte und Beraterinnen. Es möchte „Unkenntnis in Verständnis“ wandeln. Wir sind dankbar für seine lebenspraktischen Instruktionen und empfehlen seine Lektüre als Argumentationshilfe gegen eine durch die Justiz ermöglichte „Eugenik von unten“: es gibt kein „unzumutbares“ Menschenleben.

Dr. Maria Overdick-Gulden

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