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Symposien

1. Kooperationsseminars der Ärzte für das Leben

15. - 17. Juli 1996

Thema "Mensch und Lebensrecht von Anfang an"

Die Unterlagen zum Symposium 1996 können Sie bei Interesse direkt über unsere Hauptgeschäftsstelle anfordern - hier finden Sie nur das Vorwort zur Dokumentation des Symposiums in Banz im Jahre 1996 und eine Programmübersicht.

Die Knospe

Die Knospe ist wie ein Versprechen,
sie abzubrechen, ein Verbrechen.
Der Zweig, der seine Frucht nicht nährt,
hat seines Daseins Sinn entehrt.

Schon mit dem Keim schuf Gott das Ganze,
aus einem Sämling wird die Pflanze.
Bevor der Mensch sein Leben spürt,
hat Gottes Hauch es schon berührt.

von Kirsten Helling

Unsere zweite Vorsitzende, Frau Dr. Helling, drückte das Anliegen unseres 1. Kooperationsseminars in Kloster Banz zum Thema "Mensch und Lebensrecht von Anfang an" mit ihrem einleitend vorgetragenen Gedicht umfassend aus.

Wir beschäftigten uns im Rahmen dieses Seminars vor allem mit grundsätzlichen Fragen der Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens. Dabei stand die Position der Mitglieder der ärztlichen Gesellschaft "Ärzte für das Leben e. V." nicht zur Disposition.

Wir erkennen, wie es in der Präambel unserer Satzung heißt, "das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und das Genfer Gelöbnis sowie den Dekalog als verbindliche Grundlagen für die Ausübung des ärztlichen Berufes an". Weiter heißt es: "Der Zweck des Vereins ist der Schutz menschlichen Lebens von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod. "Ärzte für das Leben e.V." halten an der Unantastbarkeit menschlichen Lebens als unverzichtbare Grundlage ihrer Berufsauffassung fest......Diese Grundsätze im ärztlichen Alttag und den übrigen Lebensbereichen wachzuhalten" und sich "kritisch mit aktuellen Strömungen, vordringlich innerhalb des ärztlichen Verantwortungsbereiches auseinanderzusetzen, soweit diese die grundsätzliche Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens betreffen, ist satzungsgemäßes Anliegen unserer Gesellschaft (§2 der Vereinssatzung).

Es stand nicht unsere Position zur Diskussion, d.h. in Frage. Vielmehr wollten wir uns mit einer beachtenswerten gegensätzlichen Position auseinandersetzen. Diesem satzungskonformen Anliegen hat das 1. Kooperationsseminar unserer Gesellschaft mit der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. in Kloster Banz gedient.

Der Rahmen eines Seminars sollte die Gewähr dafür bieten, daß den "Fragen des grundsätzlichen Verständnisses ärztlicher Tätigkeit und des Schutzes menschlichen Lebens" (§2 Abs. 3.3. der Vereinssatzung), im Lichte neuer wissenschaftlicher Erkenntnis nachgegangen wurde, eine kritische Auseinandersetzung mit anderen Standpunkten erfolgen und auf diesem Wege eine weitere Sensibilisierung des Bewußtseins sowie eine Stärkung der eigenen Position resultieren konnte. Dabei sollten auch die gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, insbes. soweit sie die "individualistische Kultur" betreffen, zur Sprache kommen. Der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. sei auch an dieser Steile nochmals für die großzügige Unterstützung unseres Anliegens gedankt und ich bin überzeugt, daß das Seminar und der Aufenthalt mit gleichgesinnten Ärzten in Kloster Banz Kraft und Lebensfreude für ihren beruflichen und privaten Alttag gegeben hat.

Diese, im Einladungsschreiben zum Seminar formulierte Hinführung und Abgrenzung ist notwendig geworden, da Mitglieder zum Teil heftige Kritik an der Einladung von Herrn Prof. N. Hoerster erhoben hatten und eine - wie ich meine stets hilfreiche - Besinnung auf das Ziel unserer Gesellschaft veranlaßten. Für diese Kritik bin ich auch heute beim Schreiben dieser Zeilen dankbar, da sie uns inhaltlich und im Kontakt weiter gebracht hat. Es hat sich gezeigt, daß wir bei der Diskussion mit Andersdenkenden auf einem soliden Fundament stehen.

Wir sind in diesem über 800 Jahre alten Benediktinerkloster, das zu einer Begegnungs- und Erwachsenenbildungsstätte ausgebaut worden ist. in dieser für unsere Gesellschaft und unser geistiges Leben wichtigen Erkenntnis wieder bestärkt worden.

Ich danke nochmals allen Referenten, der Hanns-Seidel-Stiftung und den Teilnehmern, die sich sehr zahlreich nach Kloster Banz in das Frankenland aufgemacht hatten. Als Studenten sind wir seinerzeit oft von Erlangen auf den Staffelstein gestiegen und haben dabei das Frankenlied von Viktor von Scheffel gesungen, wo es unter anderem heißt:

"Von Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel
die weite stromdurchglänzte Au, ich wollt' mir wüchsen Flügel".

Ich habe den Teilnehmern damals gewünscht, daß ihnen ebenfalls Flügel wachsen, die sie dann im Alltag beflügeln mögen, sich für die ihnen anvertrauten Menschen und deren Lebensrecht einzusetzen. Die Teilnehmer unseres Seminars sind auf der Teilnehmerliste zusammen mit den Referenten verzeichnet.

Der Vorstand hat anläßlich seiner Vorstandssitzung am 23. 11. 1996 in Kassel beschlossen, die Vorträge allen Mitgliedern auf Wunsch zur Verfügung zu stellen. Wir hoffen, daß von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird und diejenigen, die seinerzeit verhindert waren, während der Woche (!) nach Banz zu kommen, wenigstens die Vorträge zu Hause nachlesen können.

Die Dokumentation, die Ihnen jetzt vorliegt, vermag nicht alle Vortragstexte wiederzugeben. Die überaus beeindruckenden Bilder über die morphologische und funktionelle Entwicklung des menschlichen Embryos von PD Dr. Josef Wisser aus Zürich können aus verständlichen Gründen nicht reproduziert werden. Der hier abgedruckte Vortragstext von Herrn Prof. Hoerster, Mainz, vermittelt auch nicht im Entferntesten einen Eindruck vom tatsächlichen Verlauf der Vormittagsveranstaltung vom 16. Juni 1996 und leider verfügen wir nicht über den Vortragstext von Herrn Dr. Jur. Marino, der aus aktuellem Anlaß in freier Rede über die zum damaligen Zeitpunkt im Bayerischen Landtag heftig umstrittene Umsetzung des Urteiles des Bundesverfassungsgerichtes durch den Freistaat Bayern und die Konsequenzen für die Ärzteschaft in Bayern referierte. Auch Diskussionen können nicht wiedergegeben werden; man muß sie erlebt haben.

Das Erlebnis des Klosters, der Eindruck von Vierzehnheiligen und die persönliche Begegnungen mit so vielen Mitgliedern unserer Gesellschaft hat uns bewegt, was viele Kolleginnen und Kollegen bestätigen können.
 

Programm:

Montag, 15. Juli 1996

09.00 Uhr Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. med. Ingolf Schmid-Tannwald
Dr. med. Kirsten Helling

09.15 Uhr Mensch und Lebensrecht von Anfang an: Morphologische und funktionelle Entwicklung des menschlichen Embryos
PD Dr. Josef Wisser. Zürich

12.00 Uhr Mittagessen

13.30 - 14.30 Uhr Individualistische Kultur: Kulturgeschichtlicher Hintergrund, demographische Auswirkungen und bevölkerungspolitische Optionen Stefanie Wahl, Bonn

14.30 Uhr Kaffepause

15.00 - 16.30 Uhr Folgen der individualistischen Kultur für die Arzt-Patientenbeziehung Stefanie Wahl

17.00 Uhr Menschsein, Personsein und Lebensrecht Dr. phil. et theol. Alexander Lohner, Berlin
 

Dienstag, 16. Juli 1996

09.00 - 12.00 Uhr Die Gegenposition: "Personalität" und "Überlebensinteresse" als Voraussetzungen für das Recht auf Leben
- Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28.05.1993
- Wissenschaftliche Befunde und Voraussetzungen für die Zubilligung eines "Überlebensinteresses" ab der Geburt bzw. einem "Gesamtalter" von mindestens 28 Wochen bei Frühgeborenen
Prof. Dr. jur. et phil. Norbert Hoerster, Mainz

12.00 Uhr Mittagessen

13.30 - 14.30 Uhr Mensch und Lebensrecht von Anfang an: Bedeutung der Befruchtung
Prof. Dr. Traute Schroeder-Kurth, Eibelstadt

14.30 Uhr Kaffeepause

15.00 - 16.30 Uhr Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik
Prof. Dr. Traute Schroeder-Kurth
 

Mittwoch, 17. Juli 1996

09.00 - 12.00 Uhr
Humangenetik
Prof. Dr. Traute Schroeder-Kurth

Die Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts durch Bund und Länder, insbes. im Freistaat Bayern sowie die Konsequenzen für die Ärzteschaft in Bayern
Dr. jur. Gerhard Marino, München

Klinische Untersuchung und Symptome des Hirntodes sowie formaler Ablauf der Hirntoddiagnostik
Prof. Dr. med. Oskar Josef Beck, München

12.00 Uhr Mittagessen

Ende des Seminars und Abreise der Teilnehmer
 

Anschrift der Referenten

Prof. Dr. med. Oskar Josef Beck
Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik der LMU München im Klinikum Großhadem, Mitglied ÄfdL, 81366 München

Prof. Dr. jur. et phil. Norbert Hoerster
Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Mainz, Höchberghang 40, 97234 Reichenberg

Dr. phil. et theol. Alexander Lohncr
Habilitand der katholischen Moraltheologie, Reuterstr,1l, 12053 Berlin

Prof. Dr. med. Traute Schroeder-Kurth
Humangenetikerin, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der ÄfdL, Wilhelm-Drees-Str. 7, 97246 Eibelstadt

Stefanie Wahl
Wissenschaftlerin am Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, Ahrstr. 45, 53175 Bonn
Mitautorin des Buches "Das Ende des Individualismus"

PD Dr. med. Josef Wisser
Oberarzt der Frauenklinik des Universitäts-Spitals Zürich, Frauenklinikstr. 10, CH-8091 Zürich, Schweiz

Dr. jur. Gerhard Marino
Leiter der Abteilung Gesundheit und Verbraucherschutz im Bayer. Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Frauen, Familie und Gesundheit Winzererstr. 9, 80797 München

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